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Meshnetze

Ein Knopfdruck, und du bist im Mesh: Check-in-Taste für den ThinkNode M3

27. August 2026

Elecrow ThinkNode M3 mit leuchtender blauer LED auf einer Schneidematte

Sich im Mesh zu melden geht heute so: Handy raus, entsperren, App suchen, auf Bluetooth warten, Kanal wählen, tippen, senden. Sechs Handgriffe für drei Buchstaben. Deshalb macht man es einmal beim Losfahren und dann nicht mehr.

Unsere Erweiterung der MeshCore-Firmware für den Elecrow ThinkNode M3 macht daraus einen Klick.

Ein kurzer Druck auf den Knopf des ThinkNode M3 sendet eine fertige Meldung auf den eingestellten MeshCore-Kanal
Ein Klick – mehr braucht es nicht. Die blaue LED quittiert den Tastendruck.

Blind bedienbar: in der Jackentasche, mit Handschuhen, im Dunkeln, im Gehen. Eine Hand reicht, das Handy bleibt eingesteckt. Der Standort hängt automatisch dran. Kein Internet, kein Handynetz, keine SIM. Und weil der Text immer derselbe ist, erkennt man die Meldung auf einen Blick, ohne sie zu lesen.

Wenn eine Meldung einen Knopfdruck kostet statt einer halben Minute, meldet man sich öfter. Ein Netz mit häufigeren Meldungen ist ein lebendigeres Netz.

Was rausgeht

Auf dem Kanal landet eine ganz normale Textnachricht:

AT-Operator: QRV JN76do 46.62470 14.30500

Den Gerätenamen setzt MeshCore selbst davor, er gehört nicht in den Text. Dahinter der frei wählbare Text, dann sechsstelliger Maidenhead-Locator und Dezimalkoordinaten. Die Position kommt aus einem aktuellen GPS-Fix; gibt es keinen, wird eine hinterlegte feste Position genommen; gibt es auch die nicht, entfällt sie ersatzlos.

Der eigene MeshCore-Kanal in der App mit mehreren eingetroffenen Check-in-Meldungen samt Locator und Koordinaten
So kommt es an: mehrere Meldungen auf einem eigenen Kanal, jede mit Locator und Koordinaten.

Die Taste am Gerät

Der M3 hat genau einen Knopf. Belegt ist er so:

Geste Wirkung
1× kurz Meldung senden – neu
Advert senden
Buzzer stumm bzw. wieder laut
GPS ein- oder ausschalten
lang halten Gerät herunterfahren

Bis auf den einfachen Klick ist alles unverändert. Der war bisher ohne Funktion – er hat nur das Display aufgefrischt, und ein Display hat der M3 keines.

Drück den Knopf eine gute Sekunde und lass dann los. Ein flüchtiges Antippen wird leicht übersehen, und die Meldung geht erst kurz nach dem Loslassen raus, weil das Gerät noch abwartet, ob ein zweiter Klick folgt.

Ganz normales Gerät, nur ein Knopf mehr

Falls dir die Hardware nichts sagt: Der M3 ist ein kleines Funkgerät, ungefähr so groß wie eine Streichholzschachtel, mit einem Knopf und einem Bändchen zum Anhängen. Ein Display hat er keines. Bedient wird er über das Handy – die beiden koppeln sich per Bluetooth, und in der MeshCore-App schreibst und liest du dann ganz normal Nachrichten. Das Gerät funkt, das Handy ist Tastatur und Bildschirm dazu. Solche Geräte heißen bei MeshCore Companion.

Genau das bleibt der M3 auch nach dem Flashen. Kanäle, Direktnachrichten, alles läuft weiter wie vorher über die App. Der Knopf kommt nur dazu – für die eine Meldung, die du loswerden willst, ohne das Handy herzunehmen.

Und das gilt für die anderen Handgeräte genauso: Ob WisMesh Tag, T1000-E oder M3, es sind alles Companions, sie hängen alle an derselben App und funken im selben Netz. Der Unterschied ist Bauform, Akku und Preis, nicht die Bedienung.

In drei Schritten drauf

Der M3 kostet rund 47 Euro (OpenELAB, Stand 27.08.2026, regulär 54,95 €) – achte auf die 868-MHz-Variante, die 915-MHz-Version ist für die USA und hier nicht zulässig.

  1. Fertiges Firmware-Paket aus dem Repo laden – die .zip, nicht entpacken
  2. flasher.meshcore.io in Chrome oder Edge öffnen, M3 per USB anstecken, Custom Firmware wählen, Datei auswählen, flashen
  3. In der App den Zielkanal anlegen – fertig

Firefox und Safari gehen nicht, der Flasher braucht WebSerial. Alternativ liegt eine .uf2 bei: zweimal kurz auf Reset tippen, dann erscheint ein USB-Laufwerk, Datei drauf kopieren.

Kanal und Text lassen sich später ohne Neuflashen ändern – M3 anstecken, Terminal öffnen, Wert setzen:

set btn.text QRV auf 145.500

Vollständige Liste im Repo.

Bitte einen eigenen Kanal

KÄRNTEN FUNKT betreibt mit #kf einen offenen Gemeinschaftskanal; Schlüssel und QR-Code stehen auf unserer MeshCore-Seite. Für die Check-in-Taste nimm trotzdem einen eigenen Kanal – nicht #kf und nicht Public. Der einfache Klick löst auch mal in der Jackentasche von selbst aus, und das ginge dann an alle.

Nicht nur QRV

Der Text ist frei, also ist es die Anwendung auch: Bake vom Berg, Reichweitentest, Statusmeldung. Oder eben HILFE.

Und da wird es interessant. Denn ein Hilfe-Knopf ist derselbe Knopf mit einem anderen Wort drin – ein Gerät am Schlüsselbund oder um den Hals, ein eigener Kanal, ein Klick. Der Standort hängt dran, ohne dass jemand ihn beschreiben muss.

Wo das etwas bringt:

  • Allein am Hof. Wer im Stall stürzt, in der Werkstatt hängenbleibt oder im Wald mit der Motorsäge arbeitet, hat das Handy meist genau dort nicht, wo er gerade liegt. Ein Knopf an der Hosentasche schon.
  • Ältere Menschen, die noch selbstständig leben. Der klassische Hausnotruf endet am Gartentor und braucht Festnetz oder Mobilfunk. Die Runde ums Dorf, der Weg zum Nachbarn, die Bank hinterm Haus – genau dort ist so ein Knopf ein Stück Rückendeckung, ohne dass jemand ein Handy bedienen können muss.
  • Draußen ohne Empfang. Schwammerlsuchen im Graben, Wandern in der Rinne, Radeln auf der Forststraße. Wer die Gegend kennt, weiß, wo das Netz aufhört.
  • In der Gruppe. Bei Übungen, Ausflügen und Vereinsaktivitäten: „bin am Ziel“, „brauche Unterstützung“, „bin außer Reichweite“ – ohne dass alle ständig aufs Handy schauen.
  • Und ganz ohne Notfall. „Komm heim“, „bitte abholen“, „bin fertig“. Nicht jede nützliche Meldung ist dramatisch.

Für so etwas nimmst du nicht den offenen Vereinskanal, sondern einen eigenen privaten Kanal – die Familie, die Nachbarschaft, die Wandergruppe. Wer noch sauberer trennen will, legt einen zweiten Kanal nur für Hilferufe an, auf dem sonst nichts läuft. Dann geht die eine Meldung, auf die es ankommt, nicht im Alltagsgeplauder unter, und die Leute wissen: Wenn hier etwas kommt, hinschauen.

Was dazugehört, bevor jemand sich darauf verlässt:

  • Das ist kein Notruf. 144 und 112 bleiben der Weg im Ernstfall. Das Mesh ist eine Ergänzung für die Familie, kein Ersatz für die Leitstelle.
  • Es hört nur, wer da ist. Die Meldung erreicht die Geräte in Reichweite, die eingeschaltet sind – sonst niemanden. Wer soll hinschauen, und schaut die Person auch nachts hin? Das gehört vorher ausgemacht, nicht nachher.
  • Es gibt keine Quittung. Wer drückt, weiß nicht, ob es angekommen ist. Ein Rückruf per Mesh oder Telefon sollte Teil der Absprache sein.
  • Fehlauslöser passieren. In der Tasche, beim Hinsetzen. Damit muss der Empfängerkreis leben können, sonst nimmt bald niemand mehr die Meldung ernst.
  • Akku und Reichweite prüfen. Regelmäßig, und zwar am echten Standort – nicht am Küchentisch. Ein Testdruck pro Woche ist keine Schikane, sondern das, was den Unterschied macht.

Ehrlich gesagt: Das kann gut funktionieren, wenn es abgesprochen, getestet und regelmäßig kontrolliert wird. Ohne das ist es ein Knopf, der Sicherheit vortäuscht. Bau es also mit den Leuten, nicht für sie.

Und die Technik dahinter in zwei Sätzen: Das Gerät funkt auf 868 MHz, lizenzfrei, ohne Vertrag und ohne SIM. Ein Repeater am Berg hört die Meldung und gibt sie weiter, bis sie bei den Geräten der anderen ankommt – der Kanal ist mit einem eigenen Schlüssel verschlüsselt, mitlesen kann nur, wer ihn hat. Wie weit das trägt, hängt daran, wie gut deine Gegend mit Repeatern versorgt ist; das schaust du dir am besten auf der Karte von meshcore.at an, bevor du dich auf etwas verlässt.

Kleinkram, der beim ersten Test überrascht

  • Die eigene Meldung erscheint nicht im eigenen App-Verlauf. Sie geht am App-Weg vorbei direkt auf den Kanal. Kein Fehler – zum Prüfen ein zweites Gerät nehmen.
  • Piept nichts? Vermutlich wurde beim Ausprobieren dreimal getroffen und damit der Buzzer stummgeschaltet. Dreimal klicken schaltet ihn wieder ein.
  • GPS ist nach dem Einschalten aus, und ein Kaltstart im Freien dauert fünf bis zehn Minuten.

Und auf anderer Hardware?

Gebaut und getestet haben wir das auf dem ThinkNode M3, aber an ihn gebunden ist das Prinzip nicht. Jedes MeshCore-Gerät mit einem Taster kommt dafür in Frage – RAK WisMesh Tag (47,00 €), Seeed T1000-E (47,99 €, Preise Stand 15.08.2026) oder ein selbstgebautes Board mit angelötetem Knopf. Preislich liegt das alles beieinander, rund 50 Euro sind für ein fertiges Handgerät die Hausnummer. Der Unterschied steckt nur darin, welche Taste das Gerät hat und wie deren Gesten bisher belegt sind.

Wir schauen uns das der Reihe nach an und melden uns, sobald weitere Geräte laufen. Wenn du eines davon hast und mitprobieren willst: gerne melden, dann geht es schneller.

Code und Dank

Die Änderung ist klein und steckt hinter einem Schalter – andere Geräte und Firmware-Varianten bleiben unberührt. Getestet mit MeshCore v1.17.1 auf einem Elecrow ThinkNode M3.

Code, fertige Firmware-Pakete und die ausführliche Anleitung: github.com/achildrenmile/m3buzzer

Dank ans MeshCore-Projekt, auf dessen Arbeit das aufsetzt. Der Code steht wie MeshCore selbst unter der MIT-Lizenz.

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