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Technik

VarAC: Chatten über Kurzwelle – wie ein Messenger, nur ohne Internet

12. Oktober 2026

Kurzwellen-Transceiver Icom IC-7300 mit Spektrumanzeige im 20-Meter-Band
Foto: Hp.Baumeler, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten)

Ein Fenster am Bildschirm, links die Liste der Stationen, rechts der Chatverlauf, unten das Eingabefeld. Daneben steht „OE… tippt gerade…“. Sieht aus wie ein Messenger – nur läuft hier nichts über einen Server, sondern über Kurzwelle, quer durch Europa. Das ist VarAC.

VarAC (gesprochen „Vär-A-C“) ist ein kostenloses Chat- und Notfunkprogramm für Funkamateure. Es setzt auf das Soundkarten-Modem VARA auf und bringt echte Unterhaltungen in Echtzeit auf die Bänder: tippen, senden, Antwort lesen – mit Fehlerkorrektur, sodass jedes Zeichen ankommt, wie es geschrieben wurde. Laut Entwickler nutzen es inzwischen über 90.000 Funkamateure in mehr als 100 Ländern.

FT8 kann grüßen, VarAC kann plaudern

Viele kennen digitale Betriebsarten nur von FT8: extrem empfindlich, aber jeder Durchgang ist ein vorgefertigter Baustein – Rufzeichen, Locator, Rapport, 73. Nach 90 Sekunden ist das QSO im Log, und gesagt hat man sich eigentlich nichts.

VarAC dreht das um. Du rufst CQ, eine Station antwortet, die beiden Programme bauen eine Verbindung auf – und ab dann wird geschrieben, so lange man will. Wie früher beim RTTY- oder PSK-Ragchew, aber mit einem modernen Modem darunter, das selbst bei schwachen Signalen fehlerfrei überträgt und bei gutem Signal deutlich schneller wird.

Kurzwellenstation mit Transceiver, Tastatur und zwei Monitoren, auf denen Funksoftware läuft
Mehr braucht es nicht: Kurzwellengerät, PC, Tastatur. Station HB9SG der USKA-Sektion St. Gallen.
Foto: Valanagut, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Wie das technisch funktioniert

VarAC selbst funkt nicht. Es ist die Oberfläche – das eigentliche Senden und Empfangen erledigt das Modem VARA von José Alberto Nieto Ros, EA5HVK. VARA verwandelt Daten in Töne, die über die Soundkarte ins Funkgerät gehen, und wertet auf der Empfangsseite die Töne wieder aus. Beide Stationen bestätigen jedes Datenpaket; was verloren geht, wird automatisch wiederholt.

Das Modem passt die Geschwindigkeit laufend an die Bedingungen an. Laut den Angaben zu VARA HF reicht das von fehlerfreier Übertragung bei sehr schwachen Signalen bis zu mehreren Kilobit pro Sekunde in einem 2,3 kHz breiten SSB-Kanal. Für Chat ist das mehr als genug – damit gehen auch Bilder und kleine Dateien.

VARA gibt es in mehreren Varianten:

  • VARA HF – für Kurzwelle (und 6 m in SSB), der Normalfall für VarAC
  • VARA FM – für UKW-FM-Geräte auf 2 m und 70 cm, schneller, aber nur mit Sichtverbindung oder über Digipeater
  • VARA SAT – für den geostationären Amateurfunksatelliten QO-100

Was VarAC alles kann

Der Chat ist nur der Anfang. Über die Jahre ist VarAC zu einer ganzen Kommunikationsplattform gewachsen:

  • Echtzeit-Chat mit „tippt gerade“-Anzeige, Emojis, Reaktionen und vorgefertigten Textbausteinen
  • Anruffrequenz und automatischer QSY – man trifft sich auf der Anruffrequenz und wechselt für das Gespräch automatisch ein paar hundert Hertz daneben, damit der Treffpunkt frei bleibt
  • VMail – Offline-Nachrichten: Du hinterlässt einer Station eine Nachricht, auch wenn sie gerade nicht vor dem Gerät sitzt; andere Stationen können sie weiterreichen
  • Beacons – dein Programm meldet sich in regelmäßigen Abständen, andere sehen dich in ihrer Stationsliste und wissen: da ist jemand QRV
  • Datei- und Bildübertragung, bei VARA FM auch größere Dateien
  • Automatisches Logbuch im ADIF-Format, Anbindung an gängige Logprogramme
  • Rig-Steuerung über CAT, OmniRig, FLrig oder Hamlib – VarAC stellt Frequenz und PTT selbst
  • E-Mail-Gateway – Stationen mit Internetzugang können Nachrichten in die normale E-Mail-Welt weiterleiten
  • Notfunk-Modus (EmComm) – ein Klick, und die Oberfläche wird auf das Wesentliche reduziert: kürzere Beacon-Intervalle, dringende Nachrichten, Formularvorlagen für Lagemeldungen

Neu in Version 16

Die aktuelle Version VarAC 16.1.8 ist seit 11. Oktober 2026 verfügbar. Die auffälligsten Neuerungen:

  • Live-Aktivitätskarte – eine Weltkarte mit Beacons, CQ-Rufen, QSOs und Rundsprüchen der letzten sechs Monate, filterbar nach Band und Zeitraum. Praktisch, um zu sehen, wann auf welchem Band tatsächlich etwas los ist
  • Rotorsteuerung über PstRotator – die Antenne dreht bei einer Verbindung automatisch zur Gegenstation
  • Eigene Vorgaben für den KI-Assistenten, etwa mit lokalen Notfallinformationen für den Notfunkbetrieb
  • Abfrage der E-Mail-Gateway-Adresse einer Gegenstation, Verbesserungen beim Mehrfachbetrieb (Cluster) und beim Frequenzscanner

Schon in Version 15 vom Juli 2026 dazugekommen sind unter anderem der Frequenzscanner (mehrere Frequenzen abwechselnd beobachten), ein kompakter Chat-Modus, automatische Übersetzung von Nachrichten und die Unterstützung von 2750 Hz Bandbreite.

Was du brauchst

  • Eine Amateurfunklizenz – VarAC ist für Funkamateure gedacht, gesendet wird auf Amateurfunkbändern. Noch keine Lizenz? Dazu unten mehr.
  • Ein SSB-Transceiver für Kurzwelle, idealerweise mit eingebauter USB-Soundkarte (z. B. Icom IC-7300, Yaesu FT-991A/FT-710, Xiegu G90 mit Interface). Ältere Geräte gehen mit einem externen Soundkarten-Interface wie SignaLink.
  • Eine Antenne – ein einfacher Dipol für 40 oder 20 m reicht für den Anfang.
  • Einen Windows-PC ab Windows 8.1 mit .NET Framework 4. Unter Linux und am Raspberry Pi läuft VarAC mit Wine; der Entwickler stellt dafür eine eigene Anleitung bereit. Bildschirm mindestens 1280×800.
  • Das Modem VARA HF (ab 4.8.7) bzw. VARA FM
  • Das Modem VARA HF (ab 4.8.7) bzw. VARA FM von der Seite des Autors.
  • ndash; kostenlos von der Seite des Autors.

Was kostet das? Nichts.

VarAC ist für Funkamateure kostenlos – und das Modem VARA ebenfalls: Einfach herunterladen, installieren, loslegen, ohne Registrierung. Die Gratisversion nutzt auf Kurzwelle die unteren Geschwindigkeitsstufen, und genau dort spielt sich Chat ohnehin ab: Ein paar Zeilen Text brauchen keine Kilobits. Eine kostenpflichtige Lizenz (laut mehreren Quellen rund 69 US-Dollar, einmalig, für HF und FM) ist optional und lohnt sich erst, wenn du regelmäßig Bilder, größere Dateien oder Winlink-Mails mit voller Geschwindigkeit übertragen willst.

Einstieg in fünf Schritten

  1. VARA HF installieren – von rosmodem.wordpress.com. Im Programm die Soundkarte des Funkgeräts als Ein- und Ausgang wählen.
  2. VarAC herunterladen – über das Formular auf varac-hamradio.com/download. Der Download-Link kommt per E-Mail (Spam-Ordner prüfen). Das Programm in einen eigenen Ordner entpacken, nicht aus dem ZIP starten.
  3. Grundeinstellungen – Rufzeichen und Locator eintragen, im Menü Settings → Rig control and VARA configuration den Pfad zu VARAHF.exe setzen, Port bleibt standardmäßig 8300.
  4. Funkgerät anbinden – PTT und Frequenzsteuerung wählen (CAT, OmniRig, FLrig, Hamlib oder RTS/DTR) und mit den TEST-Knöpfen prüfen. Am Gerät USB-Betrieb, Kompressor aus, Leistung moderat; die ALC darf beim Senden nicht ausschlagen.
  5. Auf die Anruffrequenz – Beacon einschalten, zuhören, wer da ist, und dann CQ rufen oder eine Station aus der Liste direkt anrufen.

Die wichtigsten Anruffrequenzen

Laut Quick-Start-Guide des Entwicklers (Einstellung am Funkgerät, USB):

Band Anruffrequenz
80 m 3,595 MHz
40 m 7,105 MHz
20 m 14,105 MHz
15 m 21,105 MHz
10 m 28,105 MHz

Weitere Anruffrequenzen für 160, 60, 30, 17, 12 und 6 m sind im Programm hinterlegt. Auf der Anruffrequenz wird nur angerufen – für das eigentliche Gespräch wechselt VarAC automatisch auf einen freien Platz daneben. Breitbandige 2300-Hz-Verbindungen sind auf den Anruffrequenzen gesperrt.

Funkstation mit Kurzwellen-Transceiver, Endstufe und Morsetaste vor einem Fenster mit Blick auf verschneite Berge
Kurzwelle aus den Bergen: Station HB9BFM mit Blick auf verschneite Gipfel. Gerade aus Tälern heraus spielt die Kurzwelle ihre Stärke aus – sie braucht keine Sichtverbindung.
Foto: Hp.Baumeler, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Videos: VarAC in Aktion

Die besten Erklärvideos sind auf Englisch – aber man sieht in jedem davon sehr gut, wie die Oberfläche funktioniert. Untertitel lassen sich bei YouTube automatisch ins Deutsche übersetzen.

Der schnelle Überblick

Tech Minds stellt VarAC als Alternative zu FT8 vor und zeigt, wie ein QSO am Bildschirm abläuft.

Tech Minds · auf YouTube ansehen

Installation und Einstellungen Schritt für Schritt

Rich, K0PIR, geht die Installation von VARA HF und VarAC samt Pegeleinstellung am Beispiel eines IC-7300 durch.

Ham Radio Adventures With K0PIR · auf YouTube ansehen

Die ausführliche Einführung

Mike Richards, G4WNC, gibt beim Norfolk Amateur Radio Club eine ausführliche Einführung in VarAC – gut, wenn du die Hintergründe verstehen willst.

Norfolk ARC · auf YouTube ansehen

Vortrag mit neueren Funktionen

Thomas Schuessler, N5HYP, stellt VarAC im Jänner 2025 auf der Cowtown Hamfest in Texas vor – der jüngste der vier Vorträge.

Cowtown Amateur Radio Club · auf YouTube ansehen

Alle Videos sind im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet – eine Verbindung zu YouTube entsteht erst, wenn du auf Play drückst.

Und für den Notfunk?

Gerade für Kärnten ist das der spannende Teil. Kurzwelle braucht keine Repeater, keine Sichtverbindung und kein Internet. Eine Station mit Batterie und Drahtantenne erreicht über die Raumwelle das ganze Land – auch aus einem Tal heraus, in dem UKW nicht mehr weiterkommt. VarAC ergänzt das um geschriebene, fehlerfreie Nachrichten, Offline-Mailboxen und Lagemeldungen nach Vorlage. Was geschrieben ist, wird nicht falsch verstanden.

Mit VARA arbeiten übrigens auch andere Programme – allen voran Winlink für E-Mail über Funk. Wer VARA einmal eingerichtet hat, kann beides nutzen. Einen Überblick über die digitalen Betriebsarten findest du auf unserer Seite Betriebsarten; Kurzanleitungen zu VARA HF liegen bei den Downloads.

Noch keine Lizenz? Für VarAC auf Kurzwelle brauchst du eine Amateurfunkbewilligung. KÄRNTEN FUNKT bereitet dich im Amateurfunkkurs auf die Prüfung vor – und organisiert die Prüfung bei der Fernmeldebehörde gleich mit. Fragen? Schreib uns.

Quellen und weiterführende Links

Bildnachweis: Titelbild „IC-7300“ von Hp.Baumeler, Station HB9SG von Valanagut, Station HB9BFM von Hp.Baumeler – alle über Wikimedia Commons unter CC BY-SA 4.0, für diesen Beitrag zugeschnitten und verkleinert. VarAC und VARA sind Produkte ihrer jeweiligen Entwickler; KÄRNTEN FUNKT steht in keiner geschäftlichen Verbindung zu ihnen.

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