Kennst du das? Ein alter Laptop steht im Schrank, und eigentlich wolltest du schon lange mal FT8 oder Winlink ausprobieren. Nur der Gedanke, stundenlang Treiber zu suchen und Software einzurichten, hat dich bisher abgeschreckt. Genau hier setzt arcOS an. Das ist ein fertiges Linux-System für Funkamateure, das einfach vom USB-Stick startet. Stick rein, Laptop booten, Funkgerät anstecken, und schon kann es losgehen.
Was ist arcOS?
arcOS steht für Amateur Radio Community Operating System. Zusammengestellt hat es der amerikanische Funkamateur Mike Fisher mit dem Rufzeichen KG4VDK, und zwar mit einem klaren Ziel vor Augen: Digitaler Funkbetrieb soll für jeden machbar sein, egal ob Newcomer oder alter Hase. Als Basis dient Linux Mint. Das Ganze läuft als Live-System direkt vom Stick, du musst also nichts installieren. Dein gewohntes Windows oder macOS auf dem Rechner bleibt unangetastet.
Der Clou liegt im bewussten Verzicht. Statt dich mit hundert Programmen zu erschlagen, bekommst du eine handverlesene Auswahl, die bereits fertig eingerichtet ist. Kein Treiber-Frust, kein Einrichtungs-Marathon, einfach loslegen.
Was steckt drin?
Die wichtigsten Programme sind vorinstalliert und sauber aufeinander abgestimmt:
- WSJT-X für die beliebten Schwachsignal-Modi FT8, FT4, JT65 und WSPR
- JS8Call für Tastatur-zu-Tastatur-Chat auf Kurzwelle, das klappt sogar bei mauen Bedingungen
- Pat als Winlink-Client, also E-Mail über Funk, inklusive VARA- und ARDOP-Modems
- Fldigi für PSK31, RTTY, MFSK und weitere Digimodes
- Direwolf für Packet Radio und APRS
- Kiwix mit der kompletten Wikipedia offline auf dem Stick, ideal für Field Day oder Notfunk ohne Internet
- Viking für GPS und Karten mit OpenStreetMap, ebenfalls offline nutzbar

Warum das für Notfunk spannend ist
Schau dir die Liste an, dann fällt eines schnell auf: Das sind genau die Betriebsarten, auf die es im Notfunk wirklich ankommt. Weil alles vom Stick läuft und Wikipedia samt Karten offline dabei ist, wird selbst ein in die Jahre gekommener Laptop zum einsatzbereiten Go-Kit. Stromsparend, in Minuten startklar und völlig unabhängig von Internet oder Cloud. Wenn das Netz ausfällt, steht deine Funkstation trotzdem. Genau darum geht es auch bei unserem Thema Blackout-Kommunikation.
Was du dafür brauchst
Viel ist es ehrlich gesagt nicht:
- einen Laptop oder PC mit 64-Bit-Prozessor von Intel oder AMD. Ein Raspberry Pi oder ein Mac mit Apple-Silicon-Chip spielt hier leider nicht mit
- mindestens 8 GB RAM, wobei 16 GB deutlich komfortabler sind
- einen USB-3.0-Stick mit rund 16 GB Platz
- eine Soundkarten-Schnittstelle zum Funkgerät. arcOS ist auf das günstige Digirig Mobile abgestimmt
Die aktuelle Version trägt den Namen 22.2 „Xanadu“, ist im November 2025 erschienen und etwa 4,5 GB groß. Herunterladen kannst du sie kostenlos auf der Projektseite oder über SourceForge.
Video: arcOS in Aktion
Mehr lesen
Unsere Freunde von OERadio haben arcOS ausführlich unter die Lupe genommen. Wer tiefer einsteigen möchte, ist dort bestens aufgehoben:
- ➡️ OERadio: arcOS, die Linux-Distribution für den Amateurfunk
- ➡️ Weitere Funk-Software in unserem Download-Bereich
Unser Tipp: Kram den alten Laptop hervor, schnapp dir einen USB-Stick und nimm dir einen ruhigen Nachmittag Zeit. Mehr braucht es nicht, um in die digitale Funkwelt einzutauchen.
Quellen
- Offizielle Projektseite: arcos-linux.com
- Entwickler Mike Fisher KG4VDK: kg4vdk.com
- Vorstellung auf Deutsch: OERadio.at, dazu die englische Fassung
- Podcast „Linux in the Ham Shack“ Folge 597: Deep Dive
- Download: SourceForge
- Bilder: Pexels (lizenzfrei)
73 und viel Spaß beim Ausprobieren!
